Vorteile von Cannabis bei Epilepsie

Epilepsie bezeichnet ein Krankheitsbild, das von wiederkehrenden Anfällen gekennzeichnet ist, die konvulsiver oder nicht-konvulsiver Art sein können. Cannabis und Cannabis-basierte Therapien haben nachweislich vorteilhafte Wirkungen bei mehreren Arten der Epilepsie, was auf mehrere biologische Mechanismen zurückzuführen ist.

Das Endocannabinoid-System

Das Endocannabinoid-System besteht aus Cannabinoid-Rezeptoren, ihren endogenen Liganden sowie Enzymen für die Synthese und den Abbau von Endocannabinoiden. Es ist an der Regulation vielfältiger Funktionen im Zentralnervensystem beteiligt, aber auch an der Zell-Zell-Kommunikation im Immunsystem und der Regulation von Proliferation und Zelltod. Medikamente zum Eingriff in dieses System sind derzeit kaum verfügbar, könnten aber in Zukunft eine sehr wirksame Option zur Immunmodulation und Tumortherapie darstellen.

Epilepsie bezeichnet ein Krankheitsbild, das von wiederkehrenden Anfällen gekennzeichnet ist, die konvulsiver oder nicht-konvulsiver Art sein können. Cannabis und Cannabis-basierte Therapien haben nachweislich vorteilhafte Wirkungen bei mehreren Arten der Epilepsie, was auf mehrere biologische Mechanismen zurückzuführen ist. Etwa 60 % aller epileptischen Anfälle sind konvulsiv, was bedeutet, dass sie durch schnelle, unbeabsichtigte Kontraktionen der Muskeln gekennzeichnet sind, die dazu führen können, dass am gesamten Körper ein unkontrollierbares Schütteln oder Zucken auftritt. Der häufigste Typ ist dabei der tonisch-klonische Anfall, bei dem auf eine kurze Phase der Immobilität unkontrollierbare Zuckungen folgen. Sowohl konvulsive als auch nicht-konvulsive epileptische Anfälle werden durch eine übermäßige Aktivität der Neuronen im Gehirn ausgelöst; bei schweren und längeren Anfällen können auch Schäden am Hirngewebe auftreten, insbesondere bei jüngeren Kindern, bei denen sich das Gehirn noch in der Entwicklung befindet. Das Dravet-Syndrom ist eine Form der in der Kindheit auftretenden Epilepsie, die zu einer neurologischen Störung führen kann. körpereigenes, physiologisches Regulationssystem, das neben seiner Funktion im ZNS auch an der Steuerung des Immunsystems und des apoptotischen Zelltods beteiligt ist. Die Endocannabinoide Anandamid und 2-Arachidonylglycerol sind volle Agonisten an den Rezeptoren CB1 und CB2, während der Cannabis-Inhaltsstoff Delta-9-Tetrahydrocannabinol ein partieller Agonist an beiden Rezeptortypen ist. CB1-Rezeptoren sind hauptsächlich auf Nervenzellen, CB2-Rezeptoren auf Zellen des Immunsystems lokalisiert. Tierexperimentelle Studien haben viel versprechende Ergebnisse bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen des ZNS und des Magen-Darm-Trakts sowie in der Antitumortherapie von Gliomen geliefert. Daher besteht die berechtigte Hoffnung, dass spezifische CB1- oder CB2-Rezeptoragonisten oder -antagonisten oder gezielte Eingriffe in den körpereigenen Endocannabinoid-Stoffwechsel ganz neue therapeutische Perspektiven eröffnen könnten. Die umfassende Erforschung des Systems, seiner Signalwege und seiner Bedeutung für Gesundheit und Krankheit bedeutet eine große Herausforderung für die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Immunologen, Neurowissenschaftlern und Pharmakologen.

dysfunktionales endocannabinoides System
dysfunktionales endocannabinoides System

Anti-Konvulsivum

Etwa 60 % aller epileptischen Anfälle sind konvulsiv, was bedeutet, dass sie durch schnelle, unbeabsichtigte Kontraktionen der Muskeln gekennzeichnet sind, die dazu führen können, dass am gesamten Körper ein unkontrollierbares Schütteln oder Zucken auftritt. Der häufigste Typ ist dabei der tonisch-klonische Anfall, bei dem auf eine kurze Phase der Immobilität unkontrollierbare Zuckungen folgen. Sowohl konvulsive als auch nicht-konvulsive epileptische Anfälle werden durch eine übermäßige Aktivität der Neuronen im Gehirn ausgelöst; bei schweren und längeren Anfällen können auch Schäden am Hirngewebe auftreten, insbesondere bei jüngeren Kindern, bei denen sich das Gehirn noch in der Entwicklung befindet. Das Dravet-Syndrom ist eine Form der in der Kindheit auftretenden Epilepsie, die zu einer neurologischen Störung führen kann.

Neuroprotektive Wirkung

Mit fortschreitender Erforschung des endocannabinoiden Systems wird klar, dass es eine wichtige Rolle bei der Steuerung der Länge und Häufigkeit von Anfällen spielt; manche Forscher glauben sogar, dass Epilepsie als Folge eines inhärenten Ungleichgewichts des endocannabinoiden Systems auftreten könnte (ein in der Theorie als klinisch-endocannabinoide Mangelerscheinung bezeichneter Zustand), das seinerseits auf Verletzungen des Gehirns, Infektionen oder eine genetische Veranlagung zurückzuführen sein könnte.
Epilepsy can affect various regions of the brain, such as the temporal lobe (© mitopencourseware)
Epilepsie kann verschiedene Hirnregionen beeinträchtigen, wie z. B. den Schläfenlappen (© mitopencourseware)

2008 wurde in der Nature eine Studie veröffentlicht, die darauf hinwies, dass bei Patienten, die an Temporallappenepilepsie leiden, offenbar ein dysfunktionales endocannabinoides System vorliegt. Wie der Name andeutet, betrifft die Temporallappenepilepsie den Schläfen-(Temporal-)lappen des Gehirns und führt typischerweise zu nicht-konvulsiven Anfällen, die zu einem gewissen Maß sensorischer Störungen führen (visueller, akustischer, geruchs- oder sogar geschmacksbezogener Art), allerdings kann es in schweren Fällen auch zu tonisch-klonischen Anfällen kommen.

Der übliche Auslöser konvulsiver und nicht-konvulsiver Anfälle ist eine übermäßige Erregung von Neuronen des Gehirns, wobei die betroffene Hirnregion je nach Art der vorliegenden Epilepsie eine andere ist. Bei gesunden Patienten wird angenommen, dass die endogenen Cannabinoide Anandamide und 2-AG eine fundamentale Rolle für die Steuerung des Levels der neuronalen Erregung spielen und so die Chance reduzieren, dass ein Anfall ausgelöst wird. Bei Patienten, die ein dysfunktionales endocannabinoides System haben, können Cannabis und Cannabis-basierte Therapien tatsächlich die Ursache der Epilepsie bekämpfen und für einen neuroprotektiven Schutz sorgen, der die Schwere und Häufigkeit der Symptome reduziert.

Status epilepticus

In extrem schweren Fällen der Epilepsie kann ein Zustand eintreten, der als Status epilepticus bezeichnet wird. Der Status epilepticus kann bei konvulsiven oder nicht-konvulsiven Anfällen auftreten, die entweder mehr als fünf Minuten andauern, oder bei einer Häufigkeit von mehr als einem Anfall in fünf Minuten, ohne dass zwischendurch das volle Bewusstsein wiedererlangt wird. Wenn der Patient bei Vorliegen eines Status epilepticus nicht sofort mit Medikamenten behandelt wird, kann der länger andauernde Verlust der normalen Gehirnfunktionen zu einem Hirnschaden oder sogar zum Tod führen. Ist für eine angemessene medizinische Behandlung gesorgt, überleben Epilepsie-Patienten einen Status epilepticus-Vorfall normalerweise ohne größere Komplikationen.

Der Status epilepticus wird typischerweise mit Benzodiazepinen oder Barbituraten behandelt; beide Medikamententypen sind für ihre oft gravierenden Nebenwirkungen allgemein bekannt und durch die Bank alles andere als effektiv. Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass Cannabinoide, insbesondere CB1-Rezeptor-Agonisten wie Anandamide, delta-9-THC und sein synthetisches Analogon WIN 55,212-2 für einen besseren Schutz gegen einen Status epilepticus sorgen können. In einer Studie, die 2006 im Journal of Pharmacology veröffentlicht wurde, bewies WIN 55,212-2 seine Fähigkeit, die gesamten Anfallaktivitäten vollständig zu unterdrücken, auch die verlängerten Anfälle, die als Status epilepticus bezeichnet werden. Die Studie wies weiterhin darauf hin, dass WIN 55,212-2 bei der Unterdrückung des Status epilepticus eine signifikant bessere Wirkung als Phenytoin und Phenobarbital zeigt.
Phenobarbital is often used to treat status epilepticus, although without total success (Nottingham Vet School)
Phenobarbital wird zur Behandlung des Status epilepticus oft verabreicht, wenn auch ohne durchgreifenden Erfolg (Nottingham Vet School)

Mit dieser und einigen vergleichbaren Studien, die während des letzten Jahrzehnts durchgeführt wurden, konnte gut nachgewiesen werden, dass die Agonisten der CB1-Rezeptoren eine fundamentale Bedeutung für die Beendigung von Anfällen und die Vermeidung eines Status epilepticus haben, und dass bei Epilepsie-Patienten ein Ungleichgewicht des endocannabinoiden Systems die Häufigkeit und Schwere der Anfälle erhöht. Ein 2007 erschienenes Paper wies darauf hin, dass dann, wenn epileptischen Neuronen CB1-Rezeptor-Antagonisten zugeführt werden, eine andauernde epileptische Aktivität ausgelöst wird, wie man sie bei Patienten mit Status epilepticus beobachtet. Werden danach CB1-Rezeptor-Agonisten zugeführt, hören die exzessiven Aktivitäten auf. Wurden umgekehrt solchen Neuronen CB1-Rezeptor-Antagonisten zugeführt, die nicht epileptisch sind, treten die exzessiven, dem Status epilepticus vergleichbaren Aktivitäten nicht auf.

Somit ist klar, dass sowohl delta-9-THC als auch CBD eine wichtige Rolle für die Steuerung von Anfällen bei Epilepsie spielen. Die jeweiligen Wirkungsmechanismen sind jedoch noch nicht vollständig erforscht, insbesondere im Fall von CBD, das seine Wirkung auf Wegen ausübt, die von den wichtigsten Cannabinoidrezeptoren unabhängig sind. CBD-Produkte haben in letzter Zeit an Popularität zugenommen. Forschungsergebnisse belegen deren therapeutischen Nutzen.